20 | 09 | 2017
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Tour mit der 'Gotland', Wracktauchen in der Ostsee

Die 'Gotland' ist ein 1942 vom Stapel gelaufener, ehemaliger Kriegsfischkutter, der über verschiedene Stationen und Verwendungszwecke schließlich zum Gaffelschoner umgebaut wurde.

Heute werden mit der 'Gotland' unter anderem Tauchreisen, überwiegend in der westlichen Ostsee, durchgeführt.

Am 02.08.12 machten Susi und ich uns auf den Weg nach Rostock, wo wir spät nachmittags an Bord der 'Gotland' gingen. Außer uns nahmen noch 10 weitere Taucher an der Tour teil. 6 GUE Taucher (Trimix), 2 WEP Taucher (Trimix), sowie Markus und Michael, beides Rebitaucher (SF2, ebenfalls Trimix).

Susi und ich waren die beiden Exoten an Bord, da wir nur Pressluft tauchten, was erstaunlicherweise von einigen anderen an Bord als Risiko eingestuft wurde. Dabei tauchten wir diesmal in, für unsere Verhältnisse, nur mittleren Tiefen.

Früh morgens am 03.08.12 stachen wir in See und suchten den ersten Tauchplatz auf. Betaucht wurde die 'SMS Undine', ein im November 1915 versenkter Kleiner Kreuzer der Gazelle-Klasse. Die Undine liegt auf max. 47m Tiefe, die Sicht war mäßig, dafür war die Strömung um so stärker. Über die Jahrzehnte haben sich Netze und Kunststofftaue in dem Wrack verfangen. Gerade letztere wurden vielen Fischen zum Verhängnis, da sich Schlingen bildeten, in denen diese sich verfingen.

Die Hälfte unserer Grundzeit verbrachte ich dann damit, einen großen Kabeljau einzufangen, um ihn aus einer solchen Kunststoffschlinge zu befreien. Kein leichtes Unterfangen, wenn man gleichzeitig gegen die Strömung kämpft, auf den Tauchpartner achtet und noch leuchten muss. Es schien ihn jedenfalls nicht weiter zu kümmern, dass er sich fortan als wohl teuerster, freilebender Kabeljau der Ostsee betrachten durfte.

Am nächsten Tag steuerten wir die 'SMS Wacht' an, ein umklassifizierter Kleiner Kreuzer, der September 1901 während eines Manövers von der 'SMS Sachsen' gerammt wurde, was schließlich zu ihrem Untergang führte.

Wir tauchten zu Dritt, da wir noch von Michael begleitet wurden (sein Tauchpartner Markus konnte an diesem Tag nicht tauchen). Die 'Wacht' liegt in rund 40m Tiefe, die Sicht war beträchtlich besser, aber auch hier gab es deutliche Strömung. Die Wacht ist nur rund 85m lang und liegt aufrecht auf dem Kiel. Es war also gut möglich, einmal rund um das Wrack herumzutauchen und uns anschließend noch in Ruhe auf dem Oberdeck umzuschauen. Das ganze Wrack weist zwar deutlichen Bewuchs auf, trotzdem sind alle Strukturen (zumindest soweit vorhanden) noch gut zu erkennen. Besonders beeindruckend fand ich persönlich das achterne Oberdeck, dessen Holzbeplankung immer noch komplett frei liegt.

Während wir über das Oberdeck zurück zu Aufstiegsleine tauchten, kamen uns zwei der GUE Taucher entgegen, die ein Reel abrollten (um sich nicht zu verirren?). Durch die Strömung machte die Leine einen weiten Bogen, sodass wir aufpassen mussten, uns nicht darin zu verfangen. Safety first - des einen Freu(n)d, des andere Leid...

Der dritte Tauchgang schließlich führte uns zu einem 57m langen Stahlseglerwrack, bei dem es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um den Dreimastschoner 'Gaarden' handeln muss, der 1922 unterging. Das Wrack liegt in rund 25m Tiefe auf der Backbordseite. Eindrucksvoll sind die drei langen Masten, die beim Betauchen immer noch einen erstaunlichen Detailreichtum zeigen. Susi und ich tauchten diesmal mit unserem Smut, den wir spontan einluden, uns zu begleiten. Die letzte Ladung der 'Gaarden' bestand in Steinkohle, die selbst 90 Jahre nach dem Untergang noch um das Wrack herum verstreut liegt.
Ein interessanter Bericht über die 'Gaarden' findet sich hier.

OM